Der Weg vom institutionellen Kinderschutz zur sexuellen Gewalt an Kindern

 

 

Andrea Christidis, Doctor of Philosophy (Bundelkhand University)

 

Abstract

 

Kinderschutz ist ein Sammelbegriff für rechtliche Regelungen und Maßnahmen, den Schutz von Kindern besonders vor Ausbeutung, Misshandlung, Missbrauch oder sonstigen Übergriffen oder schädlichen Einflüssen zu gewähren. Seit der Wende sind die Kinderschutzmaßnahmen sprunghaft angestiegen. Eskalierende „Unterstützungsmaßnahmen“ für Familien, Kinder und Jugendliche, die in Fremdunterbringungen münden, nahmen und nehmen einen dramatischen Entwicklungsverlauf.

 

Kinderheime haben eine finstere Geschichte. Wenn in früheren Zeiten die Jugend störte, wurde sie in solche Einrichtungen gebracht und bis in die 1970er-Jahre hinein unter Missachtung der Schulpflicht durch Kinderarbeit und sexuelle Gewalt ausgebeutet. Bis heute ringen die Betroffenen mit den Folgen ihrer Misshandlungen. Und auch wenn sich mittlerweile manches teilweise verbessert hat, muss sich unsere Gesellschaft mit der Rolle auseinandersetzen, die ihre Heime spielen. Nicht erst seit den Skandalen um Misshandlungen in Kinderheimen und Tötungen in Pflegefamilien haben Kindesentnahmen in den letzten Jahren einen schlechten Ruf bekommen. [1]

 

Von den 40.227 Kindern, die Jugendämter 2012 für kürzere oder längere Zeit „in Obhut genommen“ (also den Eltern vorübergehend das Sorgerecht entzogen) haben, zählten nur 635 als Fälle von sexuellem Missbrauch. Knapp 40 Prozent kehrten nach der Inobhutnahme wieder zu den Sorgeberechtigten zurück. Der Anlass für die meisten dauerhaften Inobhutnahmen, nämlich 17.289, fiel unter das Rubrum „Überforderung“ der Eltern, wegen „Beziehungsproblemen“ (6.717) und wegen „Vernachlässigung“ (4.774) – zwei kaum aussagekräftige Kategorien, die sich im besonders „sozial- und kultursensiblen“ Sozialarbeiterjargon durchgesetzt haben.[2]

 

[1] siehe Leseempfehlungen am Ende dieses Beitrags

 

[2]

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kinderhilfe-Jugendhilfe/Publikationen/Downloads-Kinder-und-Jugendhilfe/vorlaeufige-schutzmassnahmen-5225203177004.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

Wenige Jahre später (2016) hatte sich die Zahl der „Inobhutnahmen“ geradezu verdoppelt. Sucht man nach Zahlen über die seither gelaufene Ausbeutung unter staatlicher Aufsicht, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass man wieder vier Dekaden auf die nächste Enthüllungswelle für bis dahin verjährte Verbrechen warten muss.

 

 

Einleitung

 

Sexueller Missbrauch findet sowohl im familiären Kontext als auch in Institutionen statt. Er bedeutet immer Machtmissbrauch an Kindern und Jugendlichen, die auf Schutz und Fürsorge in tragfähigen Beziehungen angewiesen sind. Sexueller Missbrauch an Kindern geschieht zwar zuvörderst im näheren Verwandten- und Bekanntenkreis, aber auch gerade in Institutionen, die ja zum Schutz der Minderjährigen da sind. Seltener geht die sexuelle Gewalt von völlig Fremden aus.[3]

 

Die ehemalige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann, präsentierte im April 2011 die nicht repräsentativen Ergebnisse einer deutschlandweiten Studie über sexuellen Kindesmissbrauch, die dennoch aufschlussreich ist.[4] In der Studie wird wie folgt ausgeführt: „In den Berichten zum Missbrauch in Institutionen geht es selten um Einzelfälle, fast immer sind mehrere Kinder betroffen, sie wurden teilweise von demselben Täter bzw. derselben Täterin, manchmal auch von mehreren Tätern bzw. Täterinnen missbraucht. Nur 12 der Berichte beziehen sich auf einen einmaligen Tatvorgang, bei der Hälfte der Betroffenen wurden die wiederholten Taten von ein und derselben Person begangen. Bei fast allen fanden körperliche Übergriffe statt und bei vielen Vergewaltigungen. Der Mix aus Bedrohung und Abhängigkeit in der Institution ist fatal“. Für Bergmann ist das Ergebnis eindeutig: „Missbrauch ist nicht ein Thema der Vergangenheit, sondern der Gegenwart.“[5]

 

[3] https://beauftragter-missbrauch.de/fileadmin/Content/pdf/Pressemitteilungen/2017/05_Oktober/6_Fact_Sheet_Zahlen_Ausma%C3%9F_sex_Gewalt.pdf (abgerufen am 09.02.2019)

 

[4] https://www.fonds-missbrauch.de/fileadmin/content/Abschlussbericht-der-Unabhaengigen-Beauftragten-zur-Aufarbeitung-des-sexuellen-Kindesmissbrauchs.pdf (abgerufen am 09.02.2019)

 

[5] https://www.tagesspiegel.de/politik/studie-missbrauch-vor-allem-in-heimen/4391036.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

Der Kinderschutzbund NRW hat im Rahmen einer von ihm in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie eruiert, dass (Zitat) ‚43 % der Schulen, 40 % der Internate und 70 % der Heime in dem abgefragten Zeitraum mit Verdachtsfällen auf sexualisierte Gewalt konfrontiert waren. Deutlich wird, dass in Heimen lebende Kinder und Jugendliche kaum über Vertrauenspersonen außerhalb der Einrichtung verfügen und daher in sehr hohem Maße auf verfügbare Ansprechpersonen angewiesen sind.

Die Kontaktaufnahme über die institutionelle Kinder- und Jugendbetreuung bietet vor allem für Menschen mit einer dauerhaften sexuellen Präferenz für Kinder einen besonderen Anreiz. Unabhängig davon, ob es sich um Pädosexuelle oder situative Täter / Täterinnen handelt, setzen die Kindesmissbraucher / Kindesmissbraucherinnen gezielt auf das Vertrauen, das man ihnen aufgrund ihrer Qualifikation und Zugehörigkeit in den Institutionen und Vereinen der Kinder- und Jugendhilfe entgegenbringt. Dieses Vertrauen schafft Freiräume, die Täter / Täterinnen für sich zu nutzen wissen. Und für die Vergangenheit lässt sich feststellen, dass sie oftmals bei Aufdeckung keine einschneidenden Probleme zu befürchten hatten und infolgedessen zumeist relativ unbeschadet zur nächsten Einrichtung oder in den nächsten Verein wechseln konnten, wie es viele Fallbeispiele belegen‘ [6]

 

Die unter dem Druck der Öffentlichkeit in Auftrag gegebene Studie der katholischen Kirche über sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen ist ein erschütterndes Dokument über Missbrauch und Gewalt. Sie zeigt, was passiert, wenn in einer abgeschotteten Parallelwelt ungezügelte Willkür zum destruierenden Schaden von Kindern herrscht.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer, der eine Studie für die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) durchführen sollte, lehnte seine Mitarbeit ab, weil die Kirche den gültigen Vertrag nachträglich mit dem Ziel ändern wollte, die Forschungstexte zu kontrollieren und ihre Veröffentlichung ‚aus wichtigem Grund‘ sogar völlig verbieten zu dürfen. Er monierte die Vernichtung von Akten und den Widerstand der Kirche gegen eine unabhängige Aktenanalyse.[7] Seine letzten beiden Kritikpunkte bestätigten sich durch die späteren Ergebnisse der Studie selbst. Darin heißt es: ‚In einigen Fällen fanden sich eindeutige Hinweise auf Aktenmanipulation.‘ Außerdem habe es ‚explizit die Information‘ aus zwei Bistümern gegeben, ‚dass Akten- oder Aktenbestandteile mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger in früherer Zeit vernichtet wurden‘.

 

[6] https://www.kinderschutzbund-nrw.de/pdf/DKSB_SexualisierteGewalt.pdf (abgerufen am 09.02.2019)

 

[7] https://www.br.de/nachrichten/kultur/chronologie-der-missbrauchsstudie-der-kirche,R4CHpvI

 

 

Zwischen 1946 und 2014 wurden 1.670 Kleriker als Missbrauchsbeschuldigte innerhalb ihrer Kirche aktenkundig. 3.677 Kinder und Jugendliche wurden nach Aktenlage mutmaßlich zu Opfern. Allerdings bleibt zu beachten, dass neben der Aktenvernichtung auch das Blockieren einer unabhängigen Einsicht in die vorhandenen Bistumsakten belegt wird. In der Zusammenfassung der Studie wird konstatiert: ‚Das Forschungsprojekt hatte keinen Zugriff auf Originalakten der katholischen Kirche. Alle Archive und Dateien der Diözesen wurden von Personal aus den Diözesen oder von diesen beauftragten Rechtsanwaltskanzleien durchgesehen.‘

 

Fazit: Keiner der Wissenschaftler hat in den kirchlichen Archiven je Originalakten prüfen dürfen. Die Studie ist somit nicht unabhängig. Die aufzuklärende Institution hat die Aufklärung selbst gesteuert. Dennoch gibt die Kirche anhand der Ergebnisse kein sakrosanktes Bild ab. Sie belegt unter anderem, dass der Anteil der Beschuldigten bei Diözesepriestern 5,1 Prozent betrug (1.429 Personen), bei Ordenspriestern 2,1 Prozent (159 Personen), bei hauptamtlichen Diakonen 1,0 Prozent (24 Personen): Je höher die Position, umso häufiger ist die Neigung zum Machtmissbrauch.

 

In der Studie wird aufgezeigt, wie die Bistümer den Missbrauch systematisch vertuschten. Der Pontifex sagte am Freitag, dem 25.01.2019, vor Zehntausenden Gläubigen bei einer Ansprache in Panama-Stadt, dass junge Leute ‚in die Netze von skrupellosen Menschen geraten‘, unter denen auch Kirchenleute seien. Er forderte, die Menschen zu unterstützen, ‚die nicht geschwiegen haben und nicht schweigen angesichts einer Kultur der Misshandlung und des Missbrauchs, und solchen zu helfen, die sich für den Schutz vor Missbrauch einsetzten‘. [8] Es sei innerhalb der Kirche bis zur ‚sexuellen Sklaverei‘ durch Kleriker gegangen, bei der auch Nonnen ‚jahrelang Opfer von sexuellem Missbrauch‘ gewesen seien, so Franziskus am 05.02.2019 während eines Interviews. Die sexuelle Versklavung seitens der Kirche gebe es auch noch heute. [9]

 

[8] https://www.gmx.net/magazine/panorama/papst-franziskus-kirche-verwundet-suende-33534556 (abgerufen am 09.02.2019)

 

[9] https://www.gmx.net/magazine/panorama/papst-raeumt-missbrauch-nonnen-kirche-33550346 (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

Bei 1.670 aktenkundigen Beschuldigten wurde nur gegen 566 ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet, also nur in jedem dritten Fall. Davon wiederum endeten 154 Verfahren ohne Strafe oder Sanktion, in 103 Fällen gab es lediglich eine Ermahnung. Aus dem Klerikerstand entlassen wurden zwar 41 Beschuldigte, Exkommunikationen gab es bei 88 Beschuldigten. Doch diese aus klerikaler Sicht drastischen, irreversiblen Sanktionen betreffen nur 7,8 Prozent aller bekannt gewordenen Beschuldigten. Hinzu kommt, dass solche Sanktionen aus rechtsstaatlicher Sicht alles andere als angemessen sind. Wenn überhaupt, dann wählte die Kirche am liebsten „weiche“ Konsequenzen wie Frühpensionierung, Zelebrationsverbot, Therapie, Beurlaubung, Ermahnung, geringe Geldstrafen oder gar Exerzitien.

Die Autoren der Studie benennen das Desaster des Institutionenschutzes in ihrer juristisch abgesicherten Studiensprache. Aber ein Desaster bleibt es doch: ‚Somit ist die Bereitschaft der Kirche, Fälle des sexuellen Missbrauchs mit den eigenen dafür vorgesehenen Verfahren zu untersuchen und Beschuldigte gegebenenfalls einer kirchenrechtlichen Bestrafung zuzuführen, in Anbetracht der Befunde als nicht sehr ausgeprägt anzusehen.‘

 

Zum fairen Bild des innerkirchlichen Missbrauchsgeschehens gehört der Hinweis: Missbrauchstäter waren nicht alle Serientäter. Von 1.023 der Beschuldigten ist nur je eine Tat bekannt. 782 der Beschuldigten sollen 2 bis 10 Taten begangen haben. 96 der Beschuldigten allerdings mehr als hundert. Wem diese Schreckenszahl nicht genügt, um die staatlich subventionierte Institutionsspezifik der Verbrechen zu sehen, der wird nun belehrt, dass diese sehr oft sozusagen im heiligen Bezirk, im Herzen der Kirche, stattfanden: 969 der Missbrauchten waren Ministranten. Das sind mehr als ein Viertel aller Betroffenen, nämlich 26,4 Prozent.

 

Das tatsächliche Ausmaß kann nie ganz erfasst werden. Niemand weiß, wie viele Akten über missbrauchende Priester und untätige Mitwisser vernichtet wurden. Die Ergebnisse der Studie werden auch jene enttäuschen, die Verantwortliche benannt sehen wollten. Namen von Bischöfen und Bistümern werden nicht genannt. Die Beschuldigten haben mehrheitlich keine Reue gezeigt.[10]

 

Sexueller Missbrauch an Kindern ist auch aus der evangelischen Kirche bekannt. Eine Studie über verwertbare Daten liegt aber derzeit nicht vor.

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[10] https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2018/MHG-Studie-gesamt.pdf

(abgerufen am 09.02.2019)

 

 

Eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mahnt mehrere Vergehen an.[11] Die Fälle von Missbrauch durch Amtsträger von Institutionen ließen auf ‚strukturelle Ursachen in der Kirche schließen‘, erklärte die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen im Vorfeld der bevorstehenden zwölften EKD-Synode. Die evangelische Kirche sollte ‚Verantwortung für eine umfassende und unabhängige Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in ihren Einrichtungen übernehmen‘.[12] Doch das ist kein Problem der Kirche allein.

 

Ende 2014 wurde bekannt, dass erneut ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamts wegen des Besitzes von Kinderpornographie „sanft entsorgt“[13] wurde. Der höhere Beamte musste lediglich eine Strafzahlung von € 10.000,00 akzeptieren bei vollem Bezug seines Ruhestandsgehaltes von über € 4.000,00. In der Abteilung Organisierte Kriminalität war er auch zuständig für die Bekämpfung von Kinder- und Jugendpornographie. Es ist bekannt, dass Päderasten sich untereinander schützen und sensible Knotenpunkte besetzen.[14]

 

Die schwerwiegendste Form sexuellen Missbrauchs ist die organisierte, rituelle, sexuelle Gewalt. In organisierten rituellen Gewaltstrukturen wird die systematische, schwere sadistische, sexualisierte Gewalt (in Verbindung mit körperlicher und psychischer Gewalt) an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch die Kooperation mehrerer Täter- bzw. Täterinnennetzwerke arrangiert und ist oft verbunden mit kommerzieller sexueller Ausbeutung (Zwangsprostitution, Handel mit Kindern, Kinder-/Gewaltpornografie). Einige Strukturen bestehen generationenübergreifend aus Familien, Sekten, Banden etc.. Es erfolgt eine frühkindliche Bindung an Täter und Täterin, an die Gruppe und ihre Ideologie. Hinzu kommt ein Schweigegebot. Aussteigende werden unter Druck gesetzt, erpresst und verfolgt.

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[11] https://www.aufarbeitungskommission.de/wp-content/uploads/2018/06/Fallanalyse-Sexueller-Kindesmissbrauch-im-Kontext-der-katholischen-und-evangelischen-Kirche.pdf (abgerufen am 09.02.2019)

 

[12] https://www.tagesschau.de/inland/missbrauch-evangelische-kirche-101.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[13] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/paedophiler-bka-beamter-sanft-entsorgt-12870343.html

 

[14] http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kinderpornografie-bka-mitarbeiter-unter-verdacht-a-998729.html

 

 

Organisierte und rituelle Gewaltstrukturen beinhalten oft eine umfassende Kontrolle und Ausbeutung von Menschen durch sogenannte Mind-Control-Methoden, die traumainduzierend eingesetzt werden.[15] Die planmäßig wiederholte Anwendung schwerer Gewalt erzwingt spezifische Dissoziationen, also gezielte Aufspaltungen der kindlichen Persönlichkeit. Die entstehenden Persönlichkeitsanteile werden für bestimmte Zwecke trainiert und benutzt. Ziel dieser systematischen Abrichtung ist es, Komponenten in der Persönlichkeit zu erzeugen, die schlummern, bis sie durch die Täter und Täterinnen getriggert und gesteuert werden, woran das Kind und später der Erwachsene im Alltag keine bewusste Erinnerung hat. Die herbeigeführte traumabasierte Amnesie erlaubt den Tätern eine industrielle sexuelle Ausbeutung der Kinder, die Heranziehung des Kindes zur Zwangsarbeit oder zur illegalen Adoption, das Anbieten, Beschaffen, Vermitteln oder Bereitstellen eines Kindes zur Kinderprostitution und das Herstellen, Vertreiben, Verbreiten, Einführen, Ausführen, Anbieten, Verkaufen oder Besitzen von Kinderpornographie, Drogen, Waffen und anderen illegalen Produkten, bis hin zur Entnahme von Organen, um Profite zu erzielen und Macht auszuüben. Eine gezielt erzeugte Dissoziative Identitätsstörung (DIS) kann lange verborgen bleiben.

Für betroffene Menschen mit diesen Erfahrungen ist es besonders schwer, Schutz und angemessene Unterstützung zu erhalten.

 

Eine Analyse

 

Ein Blick in die kurze Geschichte der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Praxisdokumentation zu diesem Thema macht ersichtlich, dass bei Beschreibungen der Täter und Täterinnen des sexuellen Missbrauchs schon in den frühen Publikationen immer wieder von einer vergleichsweise großen Gruppe der „Bekannten“ bzw. der „Täter und Täterinnen aus dem sozialen Umfeld / Nahfeld“ die Rede ist. Die beispielhaften Aufzählungen der Täterkreise dieser Gruppe enthalten regelhaft Lehrkräfte, medizinische und/oder soziale Fachkräfte, Vertreter der Kirchen, Politiker, Staatsanwälte, Polizeibeamte, Richter und Ehrenamtliche im Freizeitbereich, in der Kinder- und Jugendarbeit, im Vereinswesen, in kirchlichen Angeboten usw. als bereits bekannt gewordene Täter/innen. Demnach handelt es sich vorwiegend um Personen, die über jeden Verdacht erhaben sind.

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[15] https://www.asanger.de/downloads/fachkreis_empfehlungen_2018_einzelseiten2.pdf (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

So erläuterten etwa Ulrike Brockhaus und Maren Kolshorn, die in einer 1993 erschienenen Fachpublikation wissenschaftliche Ergebnisse aus Untersuchungen der vorangegangenen zwei Jahrzehnte zusammengetragen haben, dass zu den bekannten Personen Freunde der Familie, Nachbarn und Gläubiger zählen, aber auch ‚Lehrer (...), Ärzte (...) Jugendgruppenleiter, Pastoren etc..[16]

Ray Wyre, englischer Tätertherapeut berichtete in seinem 1991 in deutscher Sprache erschienenen Buch von seiner bisherigen Praxiserfahrung, dass ‚Pädophile (...) sich oft in Vertrauenspositionen (etablieren), die ihnen Zugang zu Kindern verschaffen; sie suchen sich eine Arbeit in der Jugendhilfe, in Jugendverbänden und in Beratungsstellen, als Berater oder Therapeut, in der Kirche oder an der Schule‘.[17]

Dirk Bange und Ursula Enders widmeten 1995 auf die Arbeit einer Beratungsstelle für Opfer anknüpfend ein ganzes Kapitel dem Thema ‚Sexuelle Gewalt in Institutionen‘ und schilderten darin u. a. Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder in der Kirche, in der Grundschule und in der Kindertagesstätte.[18]

 

Im Gegensatz zur Gruppe der Täter und Täterinnen im familiären Kontext geriet die Ausübung sexualisierter Gewalt gegen Kinder durch ehrenamtliche oder hauptamtliche Fachkräfte in Institutionen jedoch bislang weder in der Fachwelt noch in der breiten Öffentlichkeit in den Fokus der Diskussion über sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Die Hintergründe für das ausbleibende Bemühen um eine offene und breite Problematisierung sind kaum mehr umstritten.

Institutionen, deren Zielgruppe Kinder und Jugendliche sind, agieren – positiv unterstellt –entsprechend dem Leitbild des modernen Kinder- und Jugendschutzes nach außen und innen mit dem Selbstbild und dem Anspruch, zum Wohle der jungen Menschen aktiv zu sein. Teil des Selbst- und Fremdbetruges ist die nach außen getragene Behauptung, dass junge Menschen in diesen sozialen Institutionen vor Gefahren für ihr Wohlergehen geschützt und in der Verarbeitung von Beeinträchtigungen in anderen sozialen Bezügen, etwa in der Familie, unterstützt werden, was in Einzelfällen auch so zutreffen mag.

Mit diesem nach außen getragenen Image ist die Tatsache, dass Kinder in staatlichen Institutionen schweren sexuellen und körperlichen Misshandlungen ausgesetzt sind, der Gesellschaft und Politikern nur schwerlich zu vermitteln.

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[16] Brockhaus, Ulrike/Kolshorn, Maren : Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Mythen, Fakten, Theorien. Frankfurt am Main 1993, S. 74

 

[17] Wyre, Ray/Swift, Anthony: Und bist du nicht willig... Die Täter. Köln 1991. Zwischenbericht des Runden  Tisches “Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren” Berlin 2010, S. 74.

 

[18] Bange, Dirk/Enders, Ursula: Auch Indianer kennen Schmerz. Sexuelle Gewalt gegen Jungen. Köln 1995, S. 219 ff.

 

 

In der Regel werden zwar Presseberichte über Misshandlungen in Familien als abscheulich kommentiert, und der Ruf nach intensiverem Kinderschutz wird laut. Die Veröffentlichungen über schwerste Misshandlungen in und durch staatliche Institutionen werden dagegen als unvermeidlich und ohne eigene Fehler gerechtfertigt und allenfalls nach einem Untersuchungsausschuss schleunigst wieder verdeckt.[19] [20] [21] [22] [23] Oft sind es die Täter selbst, die aus mächtigen Positionen die Vertuschung geschickt steuern.[24] [25]

Keine oder nur zögerliche Anerkennung finden vorliegende Befunde (wie jene von Ray Wyre, s.o.), wonach Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern vielfach sehr gezielt Beschäftigungen in Institutionen für Kinder und Jugendliche suchen. Auch die inzwischen allgemein zugängliche Vielzahl von Opferberichten hat offensichtlich noch nicht allerorts zum Umdenken bewogen, eine Fremdunterbringung tatsächlich als letzten Schritt in Betracht zu ziehen, obwohl das die gesetzliche Vorgabe ist. Allzu oft werden Kinder präventiv aus den Familien genommen, obwohl die dortigen Verhältnisse noch passabel sind. Nicht selten finden solche Kinder nach ihrer gewaltsamen Trennung von ihren Eltern den Tod, [26] [27] [28] [29]

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[19] http://www.pantucek.com/bremen_kevin.pdf (abgerufen am 09.02.2019)

 

[20] http://www.taz.de/Kommentar-von-Kaija-Kutter-zum-Heim-Konzept/!5310026/ (abgerufen am 09.02.2019)

 

[21] Teising, Martin: Stellungnahme der DPV zu sexueller Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen in institutionellen Kontexten. August 2010.

 

[22] https://www.welt.de/vermischtes/article134718703/Du-hast-sie-umgebracht-Warum-weinst-du.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[23] https://www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/47751/bericht-des-parlamentarischen-untersuchungsausschusses-%E2%80%9Eaufkl%C3%A4rung-der-vernachl%C3%A4ssigung-der-kindeswohlsicherung-im-fall-yagmur-durch-staatliche.pdf (abgerufen am 09.02.2019)

 

[24] http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Kinderpornos-Geldstrafe-f%C3%BCr-BKA-Mann-aus-Bonn-article1480793.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[25] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-02/edathy-laptop-gestohlen-zug-amsterdam (abgerufen am 09.02.2019)

 

[26] https://rp-online.de/nrw/staedte/solingen/maedchen-aus-leverkusen-stirbt-in-obhut-von-solinger-pflegefamilie_aid-21107267 (abgerufen am 09.02.2019)

 

[27] http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/tod-einer-fuenfjaehrigen-ein-sterbendes-kind-1590593.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[28] https://www.stern.de/panorama/stern-crime/pflegekind-stirbt-an-methadon-der-skandaloese-tod-von-chantal-3522982.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[29] https://www.stern.de/panorama/neunjaehrige-anna-in-badewanne-ertraenkt-gericht-schickt-pflegemutter-lebenslang-hinter-gitter-3441384.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

oder sie erleben bitteres Elend. [30] [31] [32] [33] Die Hilfe ihrer leiblichen Eltern vor Verelendung in Kinderheimen, bei Pflegeeltern oder in Psychiatrien wird ihnen von den staatlichen Behörden verwehrt.

Oft werden die Kinder von ihren Eltern über Wochen, Monate oder gar Jahre auf staatliche Anordnung isoliert, was die staatlich begünstigte (sexuelle) ausbeutende Gewalt an Kindern erst ermöglicht und sogar verschärft. [34] [35] [36] [37]

Selbiges Desinteresse findet sich für die vorliegenden Befunde, dass von ihren Eltern getrennte Kinder ein Leben lang unter schwerwiegenden physischen und psychischen Erkrankungen zu leiden haben oder gar Suizid begehen.

 

 

Die Täter

 

Es gibt keine eindeutigen Täterprofile/Täterinnenprofile für sexuellen Missbrauch. Täter können jeder Berufsgruppe und jedem sozioökonomischen Milieu angehören. Verschiedene Ursachenmodelle betonen unterschiedliche Faktoren, die dazu führen, dass jemand Kinder oder Jugendliche missbraucht. Ein wesentliches Motiv ist der Drang, Macht auszuüben und durch die Tat das Gefühl von Überlegenheit zu erleben. Der minderjährige Mensch ist hierbei Mittel zum Zweck zur Befriedigung eines skrupellosen Erwachsenen.

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[30] https://www.t-online.de/leben/familie/id_68264526/-stern-tv-von-den-pflegeeltern-misshandelt.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[31] https://www.n-tv.de/panorama/Gericht-verurteilt-Pflegeeltern-article5589026.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[32] http://www.fr.de/rhein-main/pharmatests-in-kinderheimen-menschen-als-versuchsobjekte-a-1248033 (abgerufen am 09.02.2019)

 

[33] https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-11/missbrauch-heimkinder-franz-sales-haus-essen-medikamententests (abgerufen am 09.02.2019)

 

[34]  https://www.wp.de/staedte/gladbeck/kind-aus-gladbeck-seit-mehr-als-vier-jahren-im-ausland-id10662847.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[35] http://www.spiegel.de/panorama/justiz/umstrittene-erziehungsmassnahme-hessen-schickt-kriminellen-jugendlichen-nach-sibirien-a-529138.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[36] https://www.waz.de/staedte/bottrop/jugendamt-bottrop-schickt-kinder-in-einzelfaellen-ins-ausland-id10644288.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[37] https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/mit-kindern-kasse-machen-heimkinder-104.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

 

Bei einigen Tätern und wenigen Täterinnen kommt eine sexuelle Fixierung auf Kinder hinzu (Pädosexualität).[38] Wichtig ist, hervorzuheben, dass Täter und Täterinnen, die Kinder sexuell missbrauchen, nicht zwangsläufig pädophil veranlagt sind.[39]

Bei sexuellem Missbrauch muss demnach zwischen einem „situationsmotivierten" und einem „fixierten" Pädokriminellen unterschieden werden. Der Grundtypus des „situationsmotivierten Pädokriminellen" ist nicht pädophil im klinischen Sinne. Der „fixierte Pädokriminelle" ist pädophil und fühlt sich sexuell ausschließlich von Kindern angezogen.

Ergänzend soll an dieser Stelle auch auf neurobiologische Defzite als Ursache für eine veränderte Sexualpräferenz bei fixierten Pädokriminellen (weiterführende Literatur: Schiltz et al. 2007, Walter et al., 2009) hingewiesen werden. In der Hälfte der von Schiltz und Mitarbeitern kernspintomografisch untersuchten Pädophilen fanden sich Strukturdefizite im Bereich des rechten Mandelkerns.[40] [41]

 

Der Täterschaft geht stets eine gewisse Entwicklung voraus: Zunächst muss bei einer Person eine Motivation zum sexuellen Missbrauch bestehen. In einem weiteren Schritt müssen innere und dann äußere Hemmschwellen überwunden werden. Und schließlich muss der Widerstand des Opfers gebrochen werden. Sexualtäter und Sexualtäterinnen gehen gegen Kinder oft anders vor, als von offen sadistisch-aggressiven Impulsen bewegte Täter und Täterinnen. Gleichwohl: Auch bei der sexualisierten Gewalt geht es in erster Linie um Macht über das Kind. Es geht nicht um Eros, sondern um nackte Gewalt.

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[40] https://beauftragter-missbrauch.de/praevention/was-ist-sexueller-missbrauch/taeter-und-taeterinnen/

(abgerufen am 09.02.2019)

 

[41] Es muss zwischen Pädophilen, Regressiven und Päderasten unterschieden werden: Fachleute sind sich relativ einig darüber, dass es sich bei der Pädophilie um eine krankheitswertige Störung handelt.

 

 Der weitaus größte Teil aller sexuellen Übergriffe an Kindern wird von regressiven Tätern, auch bekannt als „heterosexuelle Ersatzobjekttäter“ begangen. Dies sind Männer, die in ihrer Sexualität eigentlich auf Erwachsene ausgerichtet sind, zumeist auf Frauen. Trotzdem sind diese Männer nicht in der Lage, mit anderen Erwachsenen eine zufrieden stellende sexuelle Beziehung einzugehen. Gründe sind z. B. schwaches Selbstwertgefühl, fühlen sich Gleichaltrigen nicht gewachsen, Beziehungsprobleme oder andere frustrierende Erfahrungen. Viele innerfamiliäre Missbrauchsfälle (z. B. durch Stiefväter oder Verwandte) sind auf diesen Tätertyp zurückzuführen.

Bei Päderasten handelt es sich um ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Erwachsenen und minderjährigen Knaben mit pädagogischem Hintergrund. Päderasten sind nicht zwangsläufig pädophil veranlagt.

[1] Schiltz, K., Witzel, J., Northoff, G., Zierhut, K., Gubka, U., Fellmann, H., Kaufmann, J., Tempelmann, C., Wiebking, C., Bogerts, B. (2007) Brain pathology in pedophilic offenders: evidence of volume reduction in the right amygdala and related diencephalic structures. Arch. Gen Psychiatry 64: 737-746

 

[1] Walter, M., Schiltz, K., Peter, E., Bogerts, B. (2009). Pädophilie – Neurobiologische Grundlagen veränderter Sexualfunktionen. Neurotransmitter, 05/2009. S. 65-70.

 

 

 

Wenig Beachtung hat bislang die Gruppe der „sadistischen Pädokriminellen" erhalten. Sie erreichen ihre sexuelle Befriedigung erst beim Zufügen von Schmerzen und Qualen bis hin zum Mord. Das Risiko einer Entführung oder Tötung ist im Vergleich zu anderen Tätertypen sehr hoch.[42] Um mit Mädchen und Jungen in Kontakt zu kommen, suchen sie gezielt die Lebensräume von jungen Menschen auf (Kindergärten, Spielplätze, Schulen, Vereine, Kinderheime, Pflegestellen, Kirchen, Soziale Medien etc.).

 

Rituelle Misshandler und rituelle Misshandlerinnen sind generell weitaus sadistischer und grausamer. Es ist wichtig, zu betonen, dass die Täter und Täterinnen nicht in die üblicherweise vorherrschenden Konzepte (situativ vs. pädophil) über Motivation und Profil von Pädophilen passen. Opfer berichten schmerzhafte und Furcht erregende sexuelle Handlungen und erniedrigende Praktiken - beispielsweise mit Fäkalien. Die Täter und Täterinnen scheinen durch ein Verlangen motiviert zu sein, zu beobachten, wie ihr Opfer das Gefühl für den eigenen freien Willen verliert, sich mit dem Destruktiven identifiziert und sich dem Willen der Gruppierung unterwirft. Es gibt Belege dafür, dass viele dieser Täter und Täterinnen in Gruppierungen mit einem festen Glaubenssystem oder Kult und hoch systematisierten Praktiken der Misshandlung aufgewachsen sind, die innerhalb der Familien, Sekten und anderen Gruppen von einer Generation auf die folgenden weitergegeben wurden. Daher sind viele von ihnen tatsächlich sowohl Opfer als auch Täter und Täterinnen innerhalb eines Familien- bzw. Gruppensystems.[43]

 

Wer beim Film oder in der Musikwelt Karriere machen will – sei es als Kinderstar oder auch erst als Erwachsener – wird nicht selten genötigt, auf eigens inszenierten Partys bei den grausamen pädokriminellen Spielen der Schatteneliten mitzumachen – meist unter Einfluss von viel Alkohol und Drogen; dabei werden heimlich Videos gedreht. Mit diesem Druckmittel lassen sich viele erpressen und dazu bringen, die Agenda der geheimen Eliten folgsam umzusetzen oder aber mittels Veröffentlichung den gesellschaftlichen und persönlichen Ruin zu riskieren.

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[42] https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Auf-den-Spuren-eines-paedophilen-Taeters,paedophilenring100.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[43] https://www.psychologie-aktuell.com/index.php?id=news-lesen&tx_news_pi1[news]=2973&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&cHash=96d9fb6a7ffe97d4c88ad9bd27f2c599 (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

 

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern es handelt sich um brutale, nackte Tatsachen.[44] [45]

 

Der Missbrauch von Kindern und das Vermitteln von Opfern finden nicht nur in Hollywood, in der Musikindustrie, in der Politik und sogar in der Presse, sondern auch hier, vor Ort, in unserer direkten Umgebung statt.

 

 

Die Opfer

 

Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde noch die Meinung vertreten, dass sexuelle Übergriffe für die Betroffenen keine gravierenden Folgen hätten, während heute unumstritten ist, dass sexuelle Gewalterfahrungen sich schädigend auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken. Amerikanische Untersuchungen haben ergeben, dass bis zu 40% der Opfer unmittelbare Folgewirkungen in Form von auffälligen Verhaltensweisen und teils massive psychische Beeinträchtigungen aufweisen.

Unangemessene Reaktionen bei der Aufdeckung oder übereilte Interventionen können eine sekundäre Traumatisierung der Opfer bedeuten. Nach Kavemann und Lohstötter (1989) müssen sich Missbrauchte oft um ihre Angehörigen sorgen (Ächtung, Erpressung, Repressalien, Mord etc.). Viele von ihnen entwickeln dann eine unglaubliche Stärke, um die bedrohte Familie zu schützen.[46] Wagen es die Opfer doch einmal, das Schweigen zu brechen, stoßen sie oft auf Unglauben, Ablehnung, Vorwürfe oder gar Diskriminierung von allen Seiten („Lolita“).[47]

Ein Grund, warum Missbrauchsopfer oft eine Mitschuld bei sich selber suchen, liegt auch daran, dass der völlige Kontrollverlust (den ein Missbrauch darstellt) für die menschliche Psyche nur sehr schwer zu verkraften ist.

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[44] beauftragter-missbrauch.de/praevention/was-ist-sexueller-missbrauch/wo-findet-missbrauch-statt/ (abgerufen am 09.02.2019)

[45] http://archive.is/YJZZj#selection-2367.0-2379.70 (abgerufen am 09.02.2019)

 

[46] Kavemann, Barbara & Lohstötter, Ingrid (1989). Väter als Täter. Sexuelle Gewalt gegen Mädchen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

 

[47] Wagen es die Opfer doch einmal, das Schweigen zu brechen, stoßen sie oft auf Unglauben, Ablehnung, Vorwürfe oder gar Beschimpfungen von allen Seiten ("Lolita"), doch Kinder sagen die Wahrheit, wenn sie von sexuellem Missbrauch berichten

 

 

 

Besonders Kinder kommen mit einer klaren Schuldzuschreibung an die Täter nicht klar, denn für sie haben Eltern oder andere Erwachsene immer recht, egal was sie tun, d. h., die Rechtmäßigkeit des Verhaltens Erwachsener wird nur selten angezweifelt. [48] [49]

 

Klare körperliche Symptome und Verletzungen wie beispielsweise Striemen, Bisswunden, Blutergüsse, Verletzungen im Anal- und Genitalbereich etc. fehlen oft, aber auch im psychischen Bereich findet sich häufig kein eindeutiges Syndrom des sexuellen Missbrauchs. Eine britische Studie zeigte, dass sich bei zwei Drittel der Kinder mit Verdacht auf sexuellen Missbrauch keine körperlichen Verletzungen erheben lassen.[50] Auch deshalb ist es so schwer, sexuellen Missbrauch nachzuweisen.

Man unterscheidet grob zwei Gruppen von Anzeichen: Verbale Signale: Ein Kind erzählt oder macht Andeutungen gegenüber einer Person, zu der es großes Vertrauen hat (z.B. Mutter, Verwandtschaft, Lehrerin etc.). Oft sind diese Andeutungen recht zaghaft, da das Kind sich selbst nicht sicher ist, was da mit ihm passiert ist. Die Kinder haben natürlich auch oft Formulierungsschwierigkeiten, wenn sie über das Erlebte sprechen wollen. In der Folge hängt es dann von der Vertrauensperson ab, ob der Missbrauch aufgedeckt wird bzw. beendet werden kann.

 

Den Untersuchungen von Patrick McGowan et al. (McGill-University, Montreal) zufolge kann Kindesmisshandlung bei Opfern auch Jahre später noch die Signalübertragung im Gehirn beeinflussen, denn ein Protein, das auf Stresssignale reagiert, ist bei Gewaltopfern in deutlich geringeren Mengen vorhanden als bei Menschen, die als Kind nicht misshandelt wurden. Die Forscher analysierten die Zellen des Hippocampus, einer der evolutionär ältesten Strukturen im Gehirn, in dem kurzzeitige Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis überführt werden. Bei Menschen, die als Kind misshandelt worden waren, fanden sich deutlich weniger Kopien der Rezeptor-mRNA als bei jenen, die keine Gewalt erfahren hatten. Die Forscher schließen daraus, dass im Gehirn der Misshandlungsopfer auch wesentlich weniger Rezeptoren gebildet wurden.[51]

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[48] https://www.deutschlandfunk.de/darknet-kindesmissbrauch-im-netz.740.de.html?dram:article_id=421142 (abgerufen am 09.02.2019)

 

[49] https://www.welt.de/politik/deutschland/article176395366/Kinderfalle-Cybergrooming-Missbrauch-beim-Livestreaming.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[50] Bange, Dirk & Deegener, G. (1996). Sexueller Missbrauch an Kindern. Ausmaß, Hintergründe, Folgen. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

 

[51] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2944040/ (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

 

Chronisch Traumatisierte leiden dauerhaft unter Flashbacks (Intrusionen von Erinnerungsfetzen), Vermeidungsverhalten von traumaassoziierten Reizen, erhöhtem Erregungsniveau, Reizbarkeit und Gedächtnislücken. Sie reagieren auf Stresssituationen zeitweise sehr viel belasteter, als nicht Missbrauchte. Ihre Reaktionen sind für nicht misshandelte Außenstehende oft befremdend. Das wiederum revictimisiert die Opfer der Gewalt oft ein Leben lang, weil ihnen wiederholt Unverständnis begegnet. Nur eine spezielle Trumatherapie kann ihnen darüber hinweghelfen.


Verurteilte Sexualstraftäter gaben in einer Untersuchung auf die Frage nach ihren Strategien folgende Beispiele an: ‚Nimm dich ihrer an, sei nett zu ihnen. Ziele auf Kinder ab, welche nicht nahe zu ihren Eltern zu stehen scheinen, oder Kinder, die bereits Opfer waren. Suche nach irgendeiner Art von Mangel. [...] Ich würde ein Kind herausfinden, welches nicht sehr viele Freunde hat, weil es dann für mich leichter ist, ihre Freundschaft zu gewinnen.‘

 

Claudia Igney reflektiert den höchst zerbrechlichen sozialen Rückhalt einer Traumatherapie für Betroffene. ‚Im optimalen Fall gibt es am Ende der Behandlung keine Trigger und Flashbacks mehr. Die erlebte Gewalt ist Vergangenheit und Erinnerung.

Dennoch bleibt:

  • Die Gewalt geht weiter im Kult, in der Herkunftsfamilie, oft auch an Kindern und Verwandten, die noch im Kult sind und als Druckmittel gegen Aussteiger und Aussteigerinnen verwendet werden.
  • Mord verjährt nicht! Es bleibt die innere Auseinandersetzung um die Frage: Kann und soll ich doch noch Anzeige erstatten?
  • Fast immer gibt es kompromittierende Bilder, die weiterhin in Umlauf sind - etwa als online-Kinderpornos.
  • Es gibt meist auch Bilder oder Filme, auf denen die Aussteigerin Gewalt gegen andere - also reale Straftaten - ausübt. Dass dies unter Zwang bzw. infolge der Konditionierung geschieht, sieht ein außenstehender Betrachter nicht oder zumindest nicht ohne spezifisches Fachwissen. Diese Dokumente dienen der Erpressung zum Schweigen ...[52]

 

Speziell frühkindlich rituell missbrauchte Kinder entwickeln eine dissoziative Störung. Deren Hauptmerkmal ist eine Unterbrechung der normalerweise integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität oder der Wahrnehmung der Umwelt. Die Störung kann plötzlich oder allmählich auftreten und sowohl vorübergehend wie chronisch verlaufen. Dissoziative Symptome kommen auch in den Kriterien der akuten Belastungsstörung, der Posttraumatischen Störung und der somatoformen Störung vor, die unbehandelt ein Leben lang fortbestehen und sowohl das berufliche, aber vor allem das private Leben erheblich beeinträchtigen können. Personen mit dieser Störung haben häufig Lücken in der Erinnerung der persönlichen Geschichte, sowohl für frühere (retrograde Amnesie) wie aktuellere Ereignisse (anterograde Amnesie). Die Amnesie ist häufig ungleichmäßig. Es kann nicht nur zu einem Gedächtnisverlust für immer wiederkehrende Zeitabschnitte kommen, sondern auch zu einem gesamten Verlust der biographischen Erinnerung an einen umfassenden Zeitraum in der Kindheit.

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[52] FN 11

 

 

Missbrauchte Kinder zeigen eine höhere Symptombelastung in den Bereichen Angst, Depression, Aggression, Einsamkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Unfähigkeit anderen Menschen zu vertrauen, homosexuelle Tendenzen, Suizidgefährdung, internalisierendem, externalisierendem und sexualisiertem Verhalten. Die Symptombelastung nimmt manchmal mit der zeitlichen Distanz zum sexuellen Missbrauch ab, hingegen werden Aggressionen und sexualisiertes Verhalten gravierender. Die jeweiligen Verhaltenssymptome sind häufig altersabhängig: Bei missbrauchten Kindern zwischen 0 und 6 Jahren zeigen sich vor allem Ängste, Albträume, Regressionen, internalisierendes und sexualisiertes Verhalten. Bei Missbrauchten zwischen 7 und 12 Jahren kommen oft Schulprobleme bzw. unreifes, hyperaktives oder auch aggressives Verhalten hinzu. Im Alter zwischen 13 und 18 Jahren leiden die Kinder oft unter Depressionen, sozialem Rückzug, Suizidneigung, Weglaufen oder aber auch Alkohol- /Drogenmissbrauch.[53]


Die Ergebnisse der Adverse Childhood Experiences (ACE) Studie belegen eindeutig, dass psychosoziale Belastungsfaktoren in der Kindheit lebenslange Folgewirkungen besitzen können. Diese Studie ist die ausführliche Verlaufsuntersuchung von über 17.000 erwachsenen Amerikanern, bei denen der aktuelle Gesundheitszustand in Beziehung zu belastenden Kindheitsfaktoren gesetzt wurde, die im Mittel ein halbes Jahrhundert früher aufgetreten waren. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung war, dass belastende Kindheitserfahrungen (Missbrauchskategorien waren u.a. wiederholter körperlicher, emotionaler und sexueller Missbrauch) auch fünfzig Jahre später tiefgreifende Folgen haben, wobei sich diese psychosozialen Erfahrungen mittlerweile in eine körperliche Erkrankung umgewandelt haben.

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[53] Engfer, A. (1998). Sexueller Missbrauch. In Oerter, R. & Montada, L. (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 1006-1015). Weinheim, Basel, Berlin: Beltz Verlag. (Stangl, 2019).

 

Patienten mit einem ACE-Wert von vier oder mehr besitzen ein um 460 % höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken, als diejenigen mit einem ACE-Wert von null. Bei höheren ACE-Werten steigt auch die Häufigkeit eines Selbstmordversuchs auf das 30- bis 51fache.[54] Bei Anwendung der statistischen Methode der Populations-Risiko-Verteilung ergab sich, dass zwischen einem Drittel und 80% aller Selbstmordversuche auf die psychosozialen Belastungsfaktoren der Kindheit zurückzuführen waren.[55]

 

Boeck et al. (2016) untersuchten, durch welche Mechanismen Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit zu chronischen Entzündungszuständen führen. Denn, werden Kinder misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt, finden sich noch viele Jahre danach erhöhte Entzündungswerte in ihrem Blut. Die Folgen sind nicht nur ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen, sondern auch eine Schwächung des Immunsystems und eine höhere Anfälligkeit für bestimmte altersassoziierte körperliche Erkrankungen. Es bestätigte sich in der Auswertung, dass die Betroffenen erhöhte Entzündungswerte im Blut aufwiesen, wobei die chronische Entzündungsreaktion mit einer gesteigerten Aktivität der Mitochondrien einherging. Diese Veränderungen auf Zellebene waren umso ausgeprägter, je schwerwiegender Misshandlungserfahrungen waren.

Schutzfaktoren können dabei körperliche Aktivität und soziale Unterstützung sein, denn beide sind geeignet, entzündliche Prozesse zu vermindern.[56]

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[54] Dube, S.R., Anda, R.F., Felitti, V.J., Chapman, D.P., Williamson, D.F. & Giles, W.H. (2001). Childhood abuse, household dysfunction, and the risk of attempted suicide throughout the lifespan. JAMA 286, 3089-3096.
 

 

[55] Felitti, Vincent J. (2002). The relationship of adverse childhood experiences to adult health: Turning gold into lead. Z Psychosom Med Psychother, 48, 359-369. (Stangl, 2019).
 

 

[56] Boeck, C., Koenig A.M., Schury, K., Geiger, M.L., Karabatsiakis, A., Wilker, S., Waller, C., Gündel, H., Fegert, J. M., Calzia, E. & Kolassa, I. T. (2016). Inflammation in adult women with a history of child maltreatment: The involvement of mitochondrial alterations and oxidative stress. Mitochondrion, 30, 197–207.
 

 

 

Traumainduzierte Erinnerungen und Amnesie

 

Untersuchungen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt führten zu weitreichenden Ergebnissen. Hierbei ist die Studie von Linda Meyer Williams besonders hervorzuheben (1994 und 1995).[57] Die Psychologin an der Universität von New Hampshire hat detaillierte Interviews mit 129 Frauen geführt, die 17 Jahre zuvor in der Notaufnahme einer Klinik wegen sexueller Gewalt behandelt worden waren. Williams stellte fest, dass in diesen vor 17 Jahren dokumentierten Missbrauchs-/Gewaltfällen ein Drittel der betroffenen Frauen über keine sexuellen Gewalterfahrungen berichtete. Die Bedeutung dieser Studie ist deshalb so hoch anzusetzen, weil hier erstmals alle in einem Zeitraum berichteten Fälle von Kindesmissbrauch / sexueller Gewalt an Kindern ausgewertet wurden und es sich hierbei nicht um eine Studie im klassischen Sinne handelt. Die tatsächlich vorgefallene sexuelle Gewalt an diesen damaligen Kindern war in den alten Unterlagen der Klinik dokumentiert.

Die wiederentdeckten Erinnerungen konnten den Frauen somit nachweislich nicht von Therapeuten suggeriert worden sein, wie dies oft und gerne von der „False Memory Syndrome Foundation (FMSF)“[58] [59] immer wieder suggeriert und mit Untersuchungen, die sich auf Erinnerungsmaterial nicht-traumatischer Inhalte beziehen, also undifferenziert, hervorgehoben wird. Obwohl die Erinnerungen größtenteils mit den 17 Jahre alten Berichten übereinstimmten, waren sich die Frauen ihrer Erinnerungen nicht absolut sicher und äußerten teilweise Zweifel. Diese Unsicherheiten gingen nicht mit maßgeblichen Abweichungen in ihren Schilderungen einher. Das False Memory Syndrome ist kein wissenschaftlicher Begriff sondern eine PR-Strategie, die vorgibt, verzerrte und höchst tendenziöse Gedächtnisbefunde darzustellen.

 

Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass traumatische Erinnerungen mit psychobiologischen Merkmalen und kognitiven Charakteristika verbunden sind, die sich völlig von der normalen Erinnerung unterscheiden.[60] Bereits seit dem 1. Weltkrieg gibt es umfangreiche Untersuchungen zur traumainduzierten Amnesie und Erinnerung. Das setzte sich im und nach dem zweiten Weltkrieg fort. Überlebende des Holocaust wurden untersucht und behandelt, was wiederum aufschlussreiche Ergebnisse erbrachte. Damit soll hervorgehoben werden, dass es sich nicht um neue wissenschaftliche Erkenntnisse handelt.

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[57] Williams, L.M., (1995). Recovered memories of abuse women with documented child sexual victimization histories. Journal of Traumatic Stress, 8, S. 649-673.

 

[58] https://de.wikipedia.org/wiki/False_Memory_Syndrome_Foundation (abgerufen am 09.02.2019)

 

[59] http://www.constantinereport.com/patrick-fitzgerald-vs-false-memory-proponent-elizabeth-loftus/ (abgerufen am 09.02.2019)

 

[60] Van der Kolk, B. A. (1994). The body keeps the score: The evolving psychobiology of posttraumatic stress. Harvard Review of Psychiatry, 1, 253-265;.

Van der Kolk, B. A. & Van der Hart, O. (1989). Pierre Janet and the breakdown of adaptation in psychological trauma. American Journal of Psychiatry, 146,1330-1342;

Van der Kolk, B. A. & Van der Hart, O. (1991). The intrusive past: The flexibiliy of memory and the engraving of trauma. American Imago, 48,425-454.

 

 

Die Gedächtnisforscherin Elisabeth Loftus ist auf den Zug der False Memory Foundation aufgesprungen und gibt vor, traumatische Erinnerungen könne man mit nicht traumatischen verfälschten Erinnerungen vergleichen. In den USA aber auch in Europa spielen falsche Erinnerungen in Prozessen um Kindesmissbrauch eine große Rolle. Ihre Forschungsergebnisse stelle ich nicht grundsätzlich in Frage. Die Übertragung ihrer Ergebnisse von traumatischen auf nicht traumatische Erinnerungen ist dagegen absurd und bereits seit Jahren, ja gar seit Jahrzehnten widerlegt. 

 

Manche Autoren behaupteten auch, dass Berichte von KZ-Überlebenden auf das “False Memory Syndrome” zurückzuführen sind.[61]

 

 

Resümee

 

Die o.a. Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz hat als eine unter weiteren zutage gefördert, dass sexuelle Gewalttaten vornehmlich von Personen begangen werden, die in der Hierarchie oben stehen, also von Eliten in Machtpositionen. Dieses Phänomen lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen. Als nur einige wenige aktuellere Beispiele seien an dieser Stelle lediglich die öffentlich gewordenen Missbrauchsfälle in der Odenwald-Schule[62], am Canisius-Kolleg[63], in zwei Friesenhof Kinderheimen[64] und in drei Heimen der Brüdergemeinde in Korntal[65] angeführt.

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[61] http://vho.org/VffG/1998/3/Rudolf2_3.html

 

[62] https://www.sueddeutsche.de/kultur/sexueller-missbrauch-an-der-odenwaldschule-hier-war-alles-erlaubt-1.1149680 (abgerufen am 09.02.2019)

 

[63] https://www.morgenpost.de/berlin/article206739251/Missbrauch-am-Canisius-Kolleg-und-das-Schweigen-der-Bischoefe.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[64] https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/panorama/offizieller-grund-fuer-jugendheim-schliessung-kein-qualifiziertes-personal-id9870876.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

[65] https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.hundertfacher-missbrauch-in-kinderheimen-die-pietisten-bitten-um-vergebung.ed0127e2-5688-4d05-b3ba-bf280ef8a7a5.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

 

 

Die von den Kindern, Jugendlichen und den späteren Erwachsenen berichteten oft jahrelange Erlebnisse von Erniedrigung, Gewalt, sexuellem Missbrauch bis hin zu brutalen Vergewaltigungen, war für sie ein Martyrium.

Der Papst berichtete unlängst, dass sexueller Missbrauch und sexuelle Versklavung in der Kirche noch immer stattfinde.

 

Sexuelle Gewalt an Kindern in Institutionen ist seit Jahrzehnten bekannt. Wirklich dagegen unternommen wurde nichts. Zumindest waren alle Maßnahmen, den Missbrauch an Schutzbefohlenen in Institutionen zu unterbinden, ergebnislos. Dem Eindruck, dass sexuelle Gewalt in Institutionen Vorschub geleistet wird, kann nicht vorbehaltlos entgegen getreten werden. Pädophilie und Päderastie höher gestellter Personen wird fast ausschließlich gedeckt. Kronzeugen sexueller Gewalt in den hier nur beispielsweise benannten Skandale im „Sachsensumpf“[66], beim „NSU“ (Tino Brandt)[67] und im Falle „Dutroux“[68] verstarben überzufällig häufig auf mysteriöse Weise. Derartige „Zufälle“ lassen einzig und allein auf öffentlich-rechtliche Unterstützer im Staatsdienst schließen. Deshalb werden von Verfassungsorganen Akten geschreddert, Ermittlungen behindert und Desinformationen gestreut. 

 

Wiederholt entsteht der Eindruck, dass, im Gegensatz zu Päderastinnen und Päderasten, die ihre Neigungen im privaten Umfeld befriedigen und bei Aufdeckung ihrer Taten medial an den Pranger gestellt werden, Gewalttäter/innen in öffentlichen Institutionen und organisierten Gruppen gedeckt werden; ihre Gewalttaten werden nach Möglichkeit verborgen, vertuscht, verschwiegen. Darauf weist jedenfalls der Umgang mit Täterinnen und Tätern unmissverständlich hin.

Täterinnen und Täter, die in dem Bewusstsein handeln, dass ihr strafbares Verhalten keine oder marginale Folgen hat, werden positiv verstärkt, die nächste Tat zu begehen. Die ihnen gewährte weitgehende Straffreiheit ist das Tor zu weiteren oft viel perfideren Praktiken in Gruppen. Manchmal muss man annehmen, dass staatlich gewährter Institutionenschutz vor Kinderschutz geht.

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[66] https://www.heise.de/tp/features/Entsprang-der-NSU-einem-Thueringen-Sumpf-3740124.html?seite=all

 

[67] https://www.heise.de/tp/features/Die-paedophile-Rechte-3356266.html?seite=all

 

[68] http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-marc-dutroux-der-alptraum-endet-nie-a-735731.html

 

 

Etwas vereinfachend könnte man schlussfolgern: je höher das Machtgefälle – desto wahrscheinlicher die (sexuelle) Ausbeutung durch Eliten. Dem Schutz der verstaatlichten Gesellschaft für ihre Eliten und ihre Institutionen werden Kinder bzw. spätere Erwachsene geopfert, sie werden mundtot gemacht, als unglaubwürdig hingestellt und ausgegrenzt.

Die abgeschottete Parallelwelt in öffentlichen Einrichtungen begünstigt ungezügelte Willkür zum destruierenden Schaden von Kindern – nicht nur im Kirchensystem.

Die in Kinderheimen und anderen Institutionen von ihren Eltern und Verwandten isolierten Kinder, oder die Kinder, denen man ausschließlich den Kontakt zu ihren Eltern in Anwesenheit von Aufsichtspersonen gestattet, sind diesem institutionellen Ausbeutungssystem hilflos ausgeliefert. Es wird ihnen unmöglich gemacht, sich Hilfe außerhalb der Einrichtung zu verschaffen und es ist ihnen nur unter dem Risiko möglich, Strafe in Kauf zu nehmen und als unglaubwürdig zu gelten. Die dauerhafte Bedrohung und Abhängigkeit in der Institution ist für diese Kinder desaströs.

 

Der vorgeschobene Schutz vor überforderten Eltern, vor suboptimalen häuslichen Verhältnissen oder gar vor Vernachlässigung mündet für die Kinder nicht selten in institutioneller psychischer, physischer und sexueller Gewalt. Zu dem Trennungstrauma müssen sie oft Gewalt und Erniedrigung ertragen. Spätere Verhaltensauffälligkeiten der institutionalisierten Kinder werden retrospektiv vermeintlich traumatischen Erfahrungen im Haushalt der Eltern zugeschrieben.

Wagen es die Opfer sexueller Gewalt, ihr Schweigen zu brechen, was nur in Ausnahmefällen geschieht, setzen sich die Täter nicht selten an die Spitze der Aufklärung und unterbinden die rechtsstaatliche Verfolgung mit Hilfe ihrer „Gönner“.

 

Es handelt sich um einen Teufelskreis aus institutioneller Gewalt an Wehrlosen, die zur späteren Auffälligkeit der Opfer führt, deren Kinder dann (ob der Auffälligkeit ihrer Eltern) die nächste Belieferung der institutionellen Eliten mit wehrlosen Kindern bilden (Heimkinder, Ministranten etc.). Versucht man, einen Anfang dieses Knäuels zu finden, so stellt man fest, dass in nahezu allen Fällen, wo staatlicherseits „Fehler“ eingestanden wurden, damit fehlerhafte Einschätzungen einer familiären Situation durch minderqualifizierte Bedienstete der Kinderschutzbehörden vorlagen. Selten waren zuvor hinreichend qualifizierte Mediziner, Psychologen oder Pädagogen involviert, Inobhutnahmen werden bis heute meist als „Verwaltungsakte“ bewertet und vollzogen. Die Weigerung der staatlichen „Garanten des Kindeswohls“, etwas an den Strukturen oder wenigstens an den einbezogenen Professionen zu ändern, wirft hier Fragen auf, die u.a. in weiteren Beiträgen dieses Bandes behandelt werden.

 

 

 

Leseempfehlungen

https://www.presseportal.de/pm/75892/4033953 (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-11/missbrauch-heimkinder-franz-sales-haus-essen-medikamententests (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.hundertfacher-missbrauch-in-kinderheimen-die-pietisten-bitten-um-vergebung.cbe360ae-2ca2-41a7-848d-963559a6bd77.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.tagesspiegel.de/berlin/missbrauch-in-berliner-kinderheimen-senat-zieht-bilanz-ueber-heimkinder-fonds/23847026.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

http://www.sn-online.de/Schaumburg/Rinteln/Rinteln-Ortsteile/Missbrauchsprozess-Jetzt-spricht-das-Opfer (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.bild.de/regional/berlin/sexueller-missbrauch/nach-dem-missbrauch-adoptierte-er-das-kind-41528142.bild.html?fbclid=IwAR3HZLommwxL-6lPLXGw6pvrve2w0MBxDr-lve3-PLJAOXr85C9s_bajy70 (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.n-tv.de/panorama/Gericht-verurteilt-Pflegeeltern-article5589026.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.t-online.de/leben/familie/id_68264526/-stern-tv-von-den-pflegeeltern-misshandelt.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.welt.de/vermischtes/article160039304/Als-das-Jugendamt-Paedophile-zu-Pflegevaetern-machte.html (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.morgenpost.de/berlin/article141706979/Kindesmissbrauch-mit-Wissen-der-Jugendbehoerde.html?fbclid=IwAR0ZkaU6dxd1T40l0VdW0NBm1o53lZyhKMdBbaL7pXPR9PN7Z2C5C0bI3s8 (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://m.focus.de/panorama/welt/prozesse-missbrauch-haft-fuer-ex-leiter-von-kinderheim_aid_684366.html?fbclid=IwAR2jtWfHwvEE1KbQ5UL-yU3rgK8KRmU1GMFDgpYkX3jTEE6905SGxQghE1Y (abgerufen am 09.02.2019)

 

http://www.taz.de/!5212557/?fbclid=IwAR02A_qyxkc4TrZVdZaJs-kVykJUtK5lYxPHVIOjhFbRVVBbGClwVO2GE6o (abgerufen am 09.02.2019)

 

http://www.taz.de/!5052997/?fbclid=IwAR0k1-2H__x78QMPwSi0YWjoFV6fbHfIhrtvkfNErqRwtUWbCTTOeYN95t4 (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/politik/kinderheime-in-dithmarschen-sie-mussten-sich-nackt-ausziehen-id9833481.html?fbclid=IwAR1W6ohjtOhzJRFV9hs-uQNK0rw5mshfwDceJhMnVN8HrPXZTWQjsCicymA (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/485219/hat-bad-essener-heimkinder-jahrelang-missbraucht?fbclid=IwAR16SlMJMqyPui9drs-uS3c0TyuiuJPKW9CCkJW7UNCOt-9jf9h-5vEz1MA (abgerufen am 09.02.2019)

 

https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Herford/Loehne/1892504-Missbrauch-im-Kinderheim-zwei-Jahre-auf-Bewaehrung-Gericht-kritisiert-Aerzte-und-Heimaufsicht-Berufsverbot-fuer-Sozialpaedagogen (abgerufen am 09.02.2019)